Häusliche Gewalt in Corona-Zeiten

Hilfsangebote des Mayener Forums gegen Gewalt in engen

sozialen Beziehungen

17.7.2020 | Von einer Zunahme an häuslicher Gewalt während der Corona-Krise berichten die Medien. Quarantäne und Kontaktbeschränkungen hätten zu mehr häuslicher Gewalt geführt, so eine Studie der TU München und des RWI Leibniz- Instituts für Wirtschaftsforschung. Nach dieser repräsentativen Umfrage sind Frauen und Kinder häufiger von Gewalt betroffen. In Zahlen wurden rund 3 Prozent der Frauen in Deutschland Opfer von häuslicher körperlicher Gewalt. Weitere 3,6 Prozent der Frauen wurden von ihrem Partner vergewaltigt. In 6,5 Prozent aller Haushalte wurden Kinder gewalttätig bestraft. Foto: „abuse“ | godfer - Fotolia.com Frei zugängliche Hilfsangebote aber wurden von einem nur sehr kleinen Teil in Anspruch genommen. Hierzu passt, dass die Zahl der Polizeieinsätze in Nordrhein- Westfalen bei Gewalt gegen Frauen und Kinder laut eines WDR-Berichtes im Vergleich zum Vorjahr um mehr als ein Viertel gesunken ist. Hinderlich bei der Kontaktaufnahme könnte für Opfer sein, den ganzen Tag auf engstem Raum mit dem Aggressor zusammenzuleben. Einige Notrufdienste jedoch haben im gleichen Zeitraum um ein Fünftel mehr Hilferufe erreicht. Auch in Rheinland-Pfalz befürchtet das Frauenministerium eine Zunahme an Aggression und Gewalt gegen Frauen. Ursächlich seien Corona-Beschränkungen, existenzielle Sorgen und die räumliche Enge in dieser Zeit. Über 20 Jahre ist das Thema Gewalt gegen Frauen und Mädchen ein Schwerpunkt- thema der Landesregierung. Im Jahr 2000 wurde das ressortübergreifende rheinland-pfälzische Interventionsprojekt gegen Gewalt in engen sozialen Beziehungen (RIGG) ins Leben gerufen. Der 2006 gegründete Arbeitskreis Mayener Forum gegen Gewalt in engen sozialen Beziehungen ist Teil dieses Interventions- projektes. Zum Arbeitskreis zählen u.a. Vertreter von Polizei, Justiz, die Inter- ventionsstelle, Jugendamt, Kinderhilfeeinrichtung, Lebensberatungsstelle mit Erziehungsberatungsstelle sowie die Gleichstellungsbeauftragte. Gemeinsames Ziel ist die Optimierung des Hilfesystems für von Gewalt betroffene Frauen und Kinder in Mayen und Umgebung. Als einer der ersten Ansprechpartner steht beispielhaft die Polizeiinspektion Mayen zur Verfügung. Diese kann Sofortmaßnahmen ein- leiten: eine Wegweisung, Näherungsverbot oder Kontaktverbot. Gegebenenfalls wird ein Schutz im Frauenhaus vermittelt. Regelmäßig wird auf Wunsch der Kontakt zu Beratungsstellen hergestellt. Als Beratungsstelle fungiert die Interventionsstelle Mayen (IST), Caritasverband Rhein-Mosel-Ahr e.V., im Caritas-Mehrgenerationen- haus St. Matthias in Mayen. Diese handelt als Fachstelle für Frauen, die von Gewalt in engen sozialen Beziehungen betroffen oder bedroht sind. Die IST-Stelle bietet telefonische und persönliche Beratung u.a. über rechtliche Möglichkeiten nach dem Gewaltschutzgesetz. Beschlüsse nach dem Gewaltschutzgesetz erlässt das Familiengericht nach Antrag. Diese Anträge sind direkt bei der Rechtsantragsstelle des Gerichtes oder mit Hilfe eines Rechtsanwalts zu stellen. Eine anwaltliche Unterstützung bietet sich besonders dann an, wenn neben dem Antrag auf einstweilige Anordnung eines Näherungs- und Kontaktverbotes ggf. eine Wohnungszuweisung oder die Klärung des Umgangsrechts angestrebt werden. Ändert sich durch eine Trennung die finanzielle Situation, ist möglicherweise das Jobcenter Mayen-Koblenz oder das Jugendamt der Stadtverwaltung Mayen oder des Landkreises Mayen-Koblenz eine Anlaufstelle, bspw. zur Sicherung des Einkommens oder zur Realisierung von Unterhaltsansprüchen der Kinder. Ein Überblick über Hilfsangebote und Ansprechpartner des Mayener Forums gGesB findet sich auf der Homepage: www.mayener-forum-gegen-gewalt.de